Als Geschäftsführer von HYVE Austria ist Michael Maier Innovationsexperte. Sein Unternehmen hat sich revolutionäre Lösungen auf die Fahne geschrieben und hilft Kunden und Kundinnen, neue Wege zu gehen. Als Versicherer, der Zukunft gestalten will, haben wir bei Michael Maier nachgefragt: Wie geht Innovation, wie verändert sich Mobilität und wie innovativ ist eigentlich Österreich?

Herr Maier, was unterscheidet eine gute Idee von einer echten Innovation?

Der Unterschied ist ganz wesentlich, wir nennen das den Sweet Spot of Innovation. Demnach gibt es drei Faktoren für echte Innovation: Erstens Begehrlichkeit – jemand bracht die Neuerung wirklich. Zweitens Machbarkeit – die Innovation ist auch tatsächlich umsetzbar. Drittens Rentabilität – nur wenn ich jemanden finde, der dafür auch Geld ausgibt, ist die Innovation erfolgreich. Überschneiden sich diese drei Kreise, sprechen wir vom Sweet Spot of Innovation.

Und kann man innovatives Denken auch lernen? 

Auf jeden Fall. Und man kann auch die richtigen Rahmenbedingungen und das richtige Mindset dafür schaffen. Es geht darum, freies und kreatives Denken zu fördern. Das gelingt, indem man neue Perspektiven einnimmt und sich bewusst von gewohnten Verhaltensmustern löst. Also möglichst aus den Denkmustern ausbrechen, die man sonst anwendet und die Sichtweise, mit der man sich sonst Problemen oder Herausforderungen nähert, völlig verändern. Das Üben muss nicht immer im Business-Kontext passieren. Forscher empfehlen, mehr zu spielen. Auch Neues zu lernen, wie eine Sprache oder ein Musikinstrument, fördert innovatives Denken. Es geht darum, dass Gehirn und Körper lernen, anders zu agieren.

„Innovation braucht den Drang, etwas ändern zu wollen, Mut, Risikofreude und Lernbereitschaft“

Das klingt gut. Welche Faktoren braucht es denn, damit Innovation gelingt?

Unsere 20-jährige Erfahrung zeigt, dass es vor allem den Drang braucht, etwas ändern zu wollen oder auch ändern zu müssen. Man sieht das auch in der Corona-Krise, wo es plötzlich nötig geworden ist, etwas zu ändern. Außerdem braucht es Mut, eine gewisse Risikofreude sowie Lernbereitschaft und Anpassungsfähigkeit. Denn selten ist der erste Wurf schon die gelungene Innovation. Man muss sich ansehen, wie der Markt und der Kunde darauf reagieren.

Und was behindert Innovation? 

Hinderlich für Innovation ist Bequemlichkeit, gepaart mit einer gewissen Arroganz, weil man der Meinung ist, dass man etwas besonders gut macht und das auch immer so bleiben wird. Ein prominentes Beispiel ist Nokia. Das Unternehmen war einmal führend bei Handys, hat das Ausmaß des Smartphone-Trends aber viel zu spät erkannt. Das Buch „The Innovator’s Dilemma“ zeigt viele schöne Modelle auf. Auch jede Menge Festplattenhersteller sind von der nächsten Generation überrumpelt worden. Auch eine Kultur der Angst vor dem Scheitern oder Vorwürfe behindern Innovation und auch starre, unflexible Prozesse, die auf maximale Effizienz ausgelegt sind. Effiziente Prozesse bringen Unternehmen zwar oft weiter, beschränken sie aber auch in ihrer Innovationsfähigkeit.

Nokia: Einst führend im Handymarkt

Gibt es denn Menschen, denen es leichter fällt, innovativ zu sein? Ist Innovation vielleicht eine Frage des Alters?

Zumindest Kreativität hat etwas mit dem Alter zu tun. Mehrere Studien belegen, dass Kinder kreativer sind. Kinder beleuchten immer alles neu und tun sich daher leicht damit, anders zu denken. Erwachsene haben aufgrund ihres Erfahrungsschatzes mehr Wissen. Wir verlassen uns auf eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster, das macht uns zu wirtschaftlich denkenden, gut funktionierenden Erwachsenen. Im Kreativitätsprozess gilt es, diese Strukturen wieder aufzubrechen. Dazu ist es wichtig eine Umgebung zu schaffen, in der man möglichst unbeeinflusst an Sachen herangeht. Ein Beispiel für disruptive Innovationen ist die 10x Regel von Elon Musk. Will der Tesla-Chef etwas verändern, dann will er es nicht doppelt so schnell oder besser machen, sondern 10 Mal schneller oder besser. Dieses Mindset lässt Tesla in verschiedenen Bereichen ganz anders denken.

Als Kfz-Versicherer interessiert uns besonders die Mobilitätsbranche, die sich aktuell stark wandelt. Was meinen Sie: Wie sollten Automarken Innovation definieren und welchem Brand gelingt Innovation am besten?

Grundsätzlich müssen sich alle Organisationen, vor allem aber die Automotive-Unternehmen, fragen, was die Produkte und Services der Zukunft sind und was sie daher künftig anbieten. Einerseits im Hinblick auf Kunden und Nutzer, andererseits gibt es im Kontext des Klimawandels hier eine zusätzliche politische und gesellschaftliche Aufgabe. Also wie müssen sich Organisationen verändern, um das anbieten zu können, was künftig gefragt sein wird. Da geht es um andere Technologien, Service-Modelle statt Kauf, digitale Services oder auch andere Arbeitsmodelle. Ein Paradebeispiel ist bestimmt Tesla, das Unternehmen revolutioniert den Automotive-Markt. Die alteingesessenen Player reagieren mal mehr, mal weniger darauf. BMW macht derzeit meiner Meinung nach recht viel. Die Frage wird sein, wer gelungene Initiativen startet und das Rennen macht.

„Bahnfahren wird wichtiger werden und eventuell Flüge ersetzen. Auch die Frage, ob wir Autos besitzen müssen, stellt sich immer mehr.“

Und was glauben Sie, wie sich Mobilität in Österreich in den nächsten zehn Jahren verändern wird?

Einige Entwicklungen, die bereits eingesetzt haben, werden weitergehen, vor allem auch aufgrund der Anforderungen der jüngeren Generationen. Diese Trends sind etwa Pay-per-use statt Kauf, Abo-Modelle in Städten, also dass man beispielsweise für Wien mit einer Abo-Kombination aus Öffis, Carsharing und E-Scooter unterwegs ist. E-Autos werden weiter an Bedeutung gewinnen, aber auch weitere E-Vehikel wie E-Scooter. Möglicher Weise spielen noch andere Technologien eine größere Rolle, Wasserstoff zum Beispiel.

Und gibt es noch weitere Veränderungen, die die Österreicher*innen erwarten können?

Ich glaube, Bahnfahren wird tendenziell noch wichtiger werden und vielleicht wird man auch darüber nachdenken, gezielt Flüge zu ersetzen. Die Regierung in Frankreich plant zum Beispiel, dass es keine Inlandsflüge auf Strecken geben soll, die man auch in zweieinhalb Stunden mit der Bahn zurücklegen kann. Die Fragen, die sich ergeben, sind: Braucht es das Auto als Besitz? Wie geht es weiter mit dem autonomen Fahren, werden Autohersteller damit eher zu Experience Anbietern? Doch das alles passiert nicht ganz so schnell, viele Menschen wohnen auch am Land, da wird der Autobesitz ein Faktor bleiben. Was Corona jetzt zeigt: Sollte es in Zukunft noch mehr Home-Office geben, sinkt auch die Notwendigkeit, nahe dem Arbeitsplatz zu wohnen und auch das Pendeln verliert an Bedeutung.

Elektroauto an Ladestation

Viele Veränderungen passieren ja aufgrund neuer Technologien. Was könnte die größte technologische Revolution der nächsten fünf Jahre sein?

Künstliche Intelligenz wird weiterhin Auswirkungen auf all unsere Lebensbereiche und Produkte haben. Das betrifft auch Technologien wie Augmented Reality und Virtual Reality und wird Einfluss haben auf Emotionale Intelligenz, die wir Maschinen beibringen. Ein praktisches Beispiel dafür ist, dass das Auto erkennt, wie sich ein Fahrer fühlt und darauf reagiert. Im Automotive-Bereich wird sich E-Mobility ganz bestimmt noch weiter entwickeln und den Markt verändern. Spannend wird, ob eine andere Technologie wie Wasserstoff innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre signifikanten Impact haben kann.

Ein spannender Innovationsbereich ist auch die Arbeit – Stichwort Homeoffice. Welche Trends zeichnen sich hier noch ab?

In der Corona-Krise haben viele Unternehmen gesehen, dass Homeoffice in der Praxis gut funktionieren kann. Das ist sicher ein Trend, zu Trends gibt es aber immer auch Gegentrends. Große digitale Player reagieren da sehr unterschiedlich. Während Twitter ja ab jetzt Homeoffice auf Lebenszeit ermöglichen will, hatte Microsoft in der Vergangenheit schon mal Homeoffice auf breiter Basis und sah auch Nachteile. Verstärktes Homeoffice hat auf viele Bereiche Auswirkungen. Die Distanz zwischen Wohnort und Büro wird weniger wichtig. Viele Gewerbeimmobilien werden frei, dafür möchten Angestellte vielleicht größere Wohnungen. Spielt räumliche Nähe eine geringere Rolle, wird der Recruiting-Markt für Unternehmen größer, man kann sich in ganz anderen Regionen zusätzlich bewerben. Wesentlich ist die Frage, wie findet man eine funktionierende Form der Zusammenarbeit? Ist ein Team schon sehr gut eingespielt, wird es weniger Herausforderungen geben. Doch die Frage ist, wie kann man Distanz überwinden und Bindung schaffen, wenn ein Mitarbeiter im Extremfall noch nie im Büro war und seine Kollegen noch nie persönlich getroffen hat? Da wird die Abstimmung generell wichtiger.

Noch eine Frage zum Abschluss: Wie innovativ ist Österreich?

Ich glaube schon, dass Österreich ein gut situiertes Land mit einer langen Liste von Hidden Champions ist, auf die wir stolz sein können. Es gibt aber Entwicklungsfelder, in denen man in Österreich vielleicht nicht immer am schnellsten ist. Wir haben ein Thema in der Effizienz und Verwertung von F&E-Ausgaben (Forschung und Entwicklung, Anm. d. Red.). Es gibt auch technologische Entwicklungen wie KI, wo wir nicht wirklich eine Rolle spielen. Neben dem starken Mittelstand gibt es in Österreich aber auch Blockchain-Initiativen von der Regierung gemeinsam mit der WU oder ein Start-up-Ökosystem, das sich sehr gut entwickelt und vieles mehr.

Danke, Herr Maier!

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Foto-Credits Titelbild: Gerry Mayer-Rohrmoser