Mit der kalten Jahreszeit ist auch die Zeit der Winterreifen angebrochen, denn in Österreich gilt ab dem 1. November bis zum 15. April die sogenannte witterungsabhängige Winterausrüstungspflicht. Damit Sie auf der sicheren Seite sind, haben wir mit Reifenprofi Sven Dittmann von Nokian Tyres gesprochen. Welche Winterreifen sind die richtigen? Gehen auch Allwetterreifen? Wie werden Reifen gelagert? Wann müssen sie gewechselt werden und was sollten Sie beim Kauf beachten? Wir haben die Antworten vom Fachmann.

Es ist Zeit, die Winterreifen aufzuziehen. Damit bei Ihnen keine Frage offen bleibt, hat uns Sven Dittmann, Diplom-Ingenieur und Produkt-Trainer bei der Nokian Tyres GmbH, Rede und Antwort gestanden. Der Reifenspezialist ist seit 14 Jahren beim Reifenhändler im Einsatz und verrät, wann es Winterreifen sein müssen, wann Allwetterreifen eine Option sind, wie Sie beim Reifenkauf vorgehen sollten und welchen häufigen Fehler viele Autofahrer*innen in Sachen Reifenkauf machen.

Winterreifenpflicht: Wann sollten Sie die Winterreifen montieren?

Winterreifen-Experte Sven Dittmann empfiehlt: „Zwischen Oktober und Ostern sollte allgemein mit Winterreifen gefahren werden, da diese bei Temperaturen unter sieben Grad und winterlichen Straßenverhältnissen am besten funktionieren und Sicherheit geben.“ Grundsätzlich dürfen Sie laut der witterungsabhängigen Winterausrüstungspflicht zwischen Anfang November und Mitte April des Folgejahres bei Schnee, Matsch und Glätte nicht ohne Winterreifen auf Achse sein. Deswegen sollten Sie sich rechtzeitig vorbereiten. „Spätestens im Oktober sollte man sich um die Montage kümmern. Ist es bereits richtig winterlich, bekommt man nur noch schwer einen Montagetermin.“ Für die Montage geben Sie Ihren Wagen am besten in den Fachhandel: „Gerade für die Montage auf die Felge muss die Werkstatt ran“, so Dittmann. „Wer bereits ein Komplettrad inklusive Felge hat, kann Reifen auch selbst wechseln, aber das ist recht anspruchsvoll. Hier braucht es nicht nur die passende Expertise, sondern auch das richtige Werkzeug – vom Wagenheber bis zum Drehmomentschlüssel. Wer kein Profi ist, gibt das Auto am besten in die Werkstatt.“

Experten-Tipp: Autoreifen auswuchten

Der Wechsel der Reifen ist eine gute Gelegenheit, um diese neu auswuchten zu lassen. Denn die Gewichte, die in der Felge angebracht sind, gehen manchmal über die Nutzung verloren. Das spürt man vor allem an einer unruhigen Lenkung. Auch wenn einem kein zitterndes Lenkrad aufgefallen ist, lohnt sich die vorsorgliche Auswuchtung, wenn die Reifen eh gewechselt werden.

Die Qual der Wahl: Winterreifen oder Allwetterreifen?

Sie fragen sich, ob Sie Winterreifen oder Allwetterreifen aufziehen sollen? Sven Dittmann erklärt: „Der Vorteil von Allwetterreifen ist, das man sich einen zweiten Satz Räder, inklusive Reifenluftdrucksensoren, Einlagerung eines zweiten Reifensatzes und saisonalem Reifenwechsel spart. Ein Nachteil ist natürlich der höhere Verschleiß. Gerade Vielfahrer brauchen häufiger neue Reifen.“ Grundsätzlich empfiehlt der Experte: „Allwetterreifen, beziehungsweise Ganzjahresreifen, sind in Regionen mit dauerhaft milden Wintern eine gute Option.“ Dabei werden Allwetterreifen in den gängigsten Reifendimensionen angeboten: Für PKW von 14 bis 19 Zoll, für SUV von 16 bis 19 Zoll. „Wer hingegen im hochmotorisierten Sportwagen mit einer Reifengröße über 19 Zoll unterwegs ist, sollte auf Sommer- und Winterreifen setzen“, so der Profi. „Auch bei Wetterextremen – sowohl im Sommer als auch im Winter, sind die passenden Sommer- und Winterreifen immer die bessere Wahl.“

Was hält der Profi von Runflat-Reifen – Reifen, mit denen Sie auch mit einem eingefahrenen Loch noch eine Weile fahren können? „Der Vorteil ist, dass man bei einem vollbeladenen PKW noch mindestens 50 Kilometer bei 80 km/h weiterfahren kann, um die nächste Werkstatt zu erreichen“, weiß Sven Dittmann. „Nachteil ist, dass die Größenauswahl beschränkt ist. Auch die Montage ist teuer. Natürlich muss ein Reifen, der ohne Luft gefahren wurde, nach einem Schaden auch ersetzt werden.“

Das ganze Jahr mit Winterreifen fahren: Geht das?

Sven Dittmann rät davon ab, Winterreifen auch im Frühjahr und Sommer zu fahren. Warum? „Winterreifen sind weicher als Sommerreifen. Deswegen ist der Verschleiß bei warmen Temperaturen deutlich höher. Längere Nass- und Trockenbremswege sind außerdem ein Sicherheitsrisiko. Dazu kommen ein schwammiges Fahrgefühl bei ungleicher Abnutzung und laute Abrollgeräusche.“

Reifen einlagern: Das müssen Sie beachten

Der Experte von Nokian Tyres empfiehlt, Reifen beim Reifenfachhandel einlagern zu lassen. „Das hat den Vorteil, dass die Räder auf Schäden überprüft, gewaschen und bestens auf die nächste Montage vorbereitet werden.“

Egal, ob Ihre Reifen im Fachhandel gelagert werden oder Sie die Reifen privat unterbringen wollen: Grundsätzlich sollten die Räder in trockenen, dunklen Räumen bei unter 20 Grad gelagert werden – und dabei von Einflüssen durch Chemikalien, Öl, Gasen (zum Beispiel Ozon) und auch UV-Strahlung ferngehalten werden. „Dabei sollten die Räder entweder übereinander liegend mit einem erhöhten Luftdruck von circa 2,5 bis 2,9 bar gelagert werden oder in einem Felgenbaum beziehungsweise einem speziellen Reifenregal“, so Sven Dittmann. „Gerade wer mehr als ein Auto fährt, sollte die vielen Reifen nicht stapeln sondern ein entsprechendes Regal nutzen, um die Reifen zu schonen. Wer die Reifen ohne Felge lagert, kann diese auch hinstellen, sollte sie aber regelmäßig drehen.“

Neue (Winter-)Reifen kaufen: So finden Sie das richtige Modell

Fachmann Sven Dittmann empfiehlt, sich beim Reifenfachhandel beraten zu lassen: „Hier werden alle Fragen beantwortet und das Auto wird live begutachtet, damit die Reifen perfekt zu Auto und Fahrer*in passen. Das Team vor Ort geht auf individuelle Bedürfnisse ein und kann die Reifen auch einlagern.“ Keine individuelle Fachberatung aber eine gute Informationsquelle sind auch Reifentests bekannter Automobilclubs (zum Beispiel vom ÖAMTC) oder Automagazine. „Allerdings sind die Empfehlungen nicht hundertprozentig auf andere Reifengrößen und Fahrzeuge übertragbar“, weiß Dittmann.

Bei Winterreifen und Ganzjahresreifen müssen Sie auf das Alpine-Symbol achten, das drei Bergspitzen und eine Schneeflocke zeigt. „Nur diese Kennzeichnung zeigt zuverlässig eine Wintereignung von Reifen an“, erklärt der Reifenexperte. „Damit man auch sicher auf glatten, nassen Straßen unterwegs ist, sollte dabei die Mindestprofiltiefe von vier Millimetern nicht unterschritten werden.“

Experten-Tipp: Reifenqualität einschätzen

Das EU-Reifenlabel hilft, die Qualität eines Reifens einzuordnen. Das Label erfasst zum einen den Rollwiderstand: Je besser die Klassifizierung, desto energiesparender rollt der Reifen ab. Zum anderen wird der Nassgriff abgebildet: Eine bessere Klassifizierung steht für sichereres Fahren auf nassen Straßen. Wichtig: Für dasselbe Reifenmodell kann die Klassifizierung je nach Reifengröße variieren. Als dritte Kategorie erfasst das EU-Reifenlabel außerdem das Abrollgeräusch in Dezibel.

Autoreifen online kaufen: Diesen häufigen Fehler besser vermeiden

Beim Online-Kauf fehlt es oft an Informationen und Transparenz, erklärt Sven Dittmann: „Im Fachhandel erfahren Sie ganz transparent, aus welchem Produktionsjahr die Reifen stammen. Außerdem bekommen Sie einen Komplettpreis inklusive Montagekosten. Wer über den Online-Handel geht, bekommt keine Beratung am eigenen Fahrzeug und muss die Montage extra zahlen. Außerdem haben Sie keinen Anspruch auf Reifen mit möglichst neuem Produktionsdatum.“ Natürlich können Autoreifen auch online gekauft werden. Dabei sollten Sie allerdings diesen häufigen Fehler vermeiden, wenn Sie nur Reifen und keine neuen Kompletträder kaufen: „Die Reifengröße, die in Ihren Fahrzeugdokumenten angegeben ist, kann von der Reifengröße der tatsächlich montierten Reifen abweichen. Das ist relevant, wenn man die alten Felgen weiterhin nutzen will. Bestellt man entsprechend der Angabe in den Fahrzeugdokumenten, haben die Reifen hinterher nicht immer die passende Größe für die Felgen. Das fällt einem*einer Fachhändler*in natürlich sofort auf, einer Privatperson aber nicht unbedingt. Auch Rücksendung oder Umtausch falscher oder beschädigter Reifen sind online sehr umständlich. Das geht vor Ort natürlich leichter.“

Experten-Tipp: Produktionsdatum des Autoreifens

Das Produktionsdatum, das sogenannte DOT, finden Sie auf der Seitenwand des Reifens. Die vier Ziffern bilden Produktionswoche und Jahr ab (DOT 4218 = Produktion in KW 42 im Jahr 2018). Technisch gesehen ist ein Reifen, der korrekt gelagert wurde, auch nach drei Jahren noch neuwertig und verfügt noch über identische Eigenschaften. Sobald ein Reifen am PKW eingesetzt wird, setzt die Alterung ein.

Beim Reifenkauf sparen – so geht‘s

Sven Dittmann weiß: Wer rund um die Autoreifen sparen will, setzt zum einen auf den richtigen Kaufzeitpunkt und zum anderen auf eine möglichst lange Lebensdauer. „Auch wenn man Reifen heute in sämtlichen Preisklassen bekommt, kauft man sie am besten vor der Saison. Wer neue Sommerreifen kaufen will, sollte das im Spätsommer oder frühen Herbst tun. Winterreifen sind im Herbst und zu Jahresbeginn bis zum Frühjahr günstiger. Bei Wintereinbruch und sobald die Temperaturen im Frühling auf über zehn Grad steigen, startet nämlich der Ansturm auf den Reifenfachfachhandel – und Preise können höher ausfallen. Deswegen ist außerhalb der Saison auch der beste Zeitpunkt für eine ausführliche, persönliche Beratung. Die Räder können vorbereitet werden und die Montage ist in kürzester Zeit erledigt.“

Zusätzlich sparen Sie, wenn Sie Ihre Reifen pflegen und somit die Lebensdauer erhöhen. Hier gilt: Reifenluftdruck regelmäßig – am besten monatlich – prüfen und an die Beladung des Autos anpassen. „Reifen sollten zudem alle 5000 bis 8000 km achsweise gewechselt werden“, so der Reifenprofi. „Reifen werden dabei von der Vorder- auf die Hinterachse gewechselt – und umgekehrt. So fahren sich die Reifen gleichmäßig ab. Grundsätzlich ist es so, dass die Reifen mit größerer Restprofiltiefe auf die Hinterachse montiert werden sollten, da diese das Fahrzeug in herausfordernden Situationen stabilisiert.“

Experten-Tipp: Lohnen sich gebrauchte oder runderneuerte Reifen?

Reifen gibt es inzwischen in sämtlichen Preiskategorien, sodass man auch für kleines Geld gute Reifen findet. Gebrauchte Reifen sind mit einem hohen Risiko verbunden: Kennt man den*die Verkäufer*in nicht, weiß man nicht, in welchem Zustand der Reifen ist, ob es Unfälle hab und wie sicher die Fahrt damit ist. Deswegen montieren auch Werkstätten Gebrauchtreifen nur ungern. Die mögliche Preisersparnis ist das erhöhte Sicherheitsrisiko selten wert.

Es spricht nichts gegen runderneuerte Reifen, bei denen ein neues Profil aufgebracht wurde. Dennoch lohnen sich diese Reifen preislich kaum. Ein Vorteil ist natürlich der Nachhaltigkeitsaspekt.

So erkennen Sie, wann Autoreifen ersetzt werden müssen

„Ein Autoreifen sollte nicht älter als zehn Jahre sein“, so der Experte. „Nach sechs bis acht Jahren sollten die Reifen im Idealfall ausgetauscht werden. Dann haben Temperaturschwankungen, UV-Strahlung und Ozon den Reifen altern und aushärten lassen. Das bedeutet: Bremswege werden länger, das Abrollgeräusch wird lauter und der Fahrkomfort nimmt ab.“ Ein weiterer Faktor ist die Mindestprofiltiefe: „Diese muss vier Millimeter betragen, damit ein Auto sicher fahren kann. Gerade bei extremen Regen wird das Wasser durch die Längs- und Querrillen im Profil weggeleitet, damit der Reifen sicher auf der Fahrbahn sitzt.“ Sven Dittmann verweist auf eine Innovation, die es nur bei Nokian Tyres gibt: „Unsere Reifen sind mit einem Profiltiefenanzeiger ausgestattet. Ob das Profil bei acht, sechs oder vier Millimetern oder sogar darunter liegt, lässt sich direkt am Reifen ablesen. Bei Winterreifen wird über eine Schneeflocke angezeigt, ob der Reifen noch wintertauglich ist.“

Als Faustregel gilt: Schauen Sie mindestens einmal im Monat, ob bei Ihren Reifen noch alles im grünen Bereich ist. Prüfen Sie den Luftdruck und sollten Sie Risse oder ein ungleichmäßig abgenutztes Profil finden: Ab in die Werkstatt. Noch mehr Tipps, wie Sie Ihr Auto winterfit machen, finden Sie in diesem Artikel.

Danke an Sven Dittmann und die Nokian Tyres GmbH für die Profi-Tipps rund ums Thema Winterreifen. Dass wir damit bei Nokian an der richtigen Adresse sind, ist kein Wunder: Der finnische Reifenhersteller entwickelte bereits 1934 den weltweit ersten Winterreifen.

Die aktuelle Auswahl an Winterreifen des über 100 Jahre alten Unternehmens finden Sie hier.

Sicher unterwegs im Winter – mit den passenden Reifen und der Kfz-Versicherung von nexible*. Lassen Sie sich hier unverbindlich Ihren Beitrag berechnen. Warum nexible? Bei uns sind Sie nicht nur bestens abgesichert, sondern bekommen digitalen Service, Top-Tarife und eine monatliche Kündigungsfrist mit dazu.

 

* Die nexible Kfz-Haftpflicht ist ein Produkt des Risikoträgers nexible Versicherung AG

Foto-Credits // Titelbild: Nokian Tyres GmbH; Bild 2: iStock.com/standret, Bild 3: iStock.com/Scharfsinn86