Christian Pesau ist als Geschäftsführer des Arbeitskreises der Automobilimporteure in Österreich Experte für die Automotive-Landschaft. Egal, ob Steuer, Verkehr, Umwelt oder aktuelle Innovationen – der Arbeitskreis setzt sich mit allen Themen rund ums Auto auseinander. Deswegen ist Christian Pesau auch genau der richtige, um zu verraten: Welche Auto-Trends gibt es, ist das E-Auto auf dem Vormarsch, worauf sollte man beim Autokauf achten und wie lange müssen wir noch aufs selbstfahrende Auto warten?

Herr Pesau, der Frühlingsanfang naht, wie sieht es in den den österreichischen Autohäusern aus? Merkt man schon etwas vom „Auto-Frühling“ oder leidet die Branche noch stark unter der Corona-Krise?

Dazu ist zu sagen, dass die Branche schon vor der Corona-Pandemie in einem massiven Veränderungsprozess war. Vernetzung, Konnektivität, alternative Antriebe und automatisiertes Fahren sind die Schlagwörter der Zukunft. Durch Corona wurden Lieferketten unterbrochen und die Lockdowns brachten mit sich, dass die Handelshäuser geschlossen hatten. Das machte das Jahr 2020 sehr schwierig und 2021 schließt daran an. Zwar sieht es hierzulande aktuell immer noch besser aus als in Deutschland, aber das Umfeld bleibt herausfordernd.

Was können Sie über die aktuellen Trends beim Autokauf erzählen? Sind eher Kleinwagen gefragt oder SUVs? Neuwagen oder Gebrauchtwagen?

Aus Herstellersicht geht alles in Richtung Elektro und Zero Emission, das ist notwendig, um Klimaziele zu erreichen und Strafzahlungen zu vermeiden. Hier wird verstärkt geworben und Marketing betrieben, das ist politisch auch so gewollt. Dieses Segment wächst stark, wenn auch noch auf niedrigem Niveau. Im herkömmlichen Bereich boomt das SUV-Segment mit Fahrzeugen, die einen gewissen Lifestyle repräsentieren, aber auch beispielsweise der kleine City-Flitzer.

„Autohersteller setzen auf Elektrofahrzeuge und Zero Emission. Dieses Segment wächst stark, doch auch SUVs und City-Flitzer boomen.“

Haben Sie Tipps für diejenigen, die sich bald ein neues Auto zulegen wollen?

Es wird immer wichtiger zu schauen, welcher Fahrzeugtyp für jeden Einzelnen in der individuellen Situation das Beste ist und welcher Einsatzzweck gefragt ist. In der Stadt, wenn man in erster Linie kurze Strecken fährt und die Möglichkeit zu laden hat, eignet sich ein Elektroauto gut, das wird auch stark staatlich gefördert. Fährt man hauptsächlich weite Strecken, dann fährt man mit einem klassischen Dieselmotor derzeit sicher noch besser.

Mobilität ist im Wandel begriffen, besonders in den Städten. Welchen Platz wird das Auto da aus Ihrer Sicht in Zukunft einnehmen, sowohl im urbanen Raum als auch am Land?

Wir treten stark dafür ein, die individuelle Mobilität hoch zu halten, auch die motorisierte individuelle Mobilität. Zweifellos gibt es in dieser Frage ein Stadt-Land-Gefälle. Während das Auto am Land weiterhin unverzichtbar ist, ist in der Stadt schon ein Wandel zu spüren und auch notwendig. Im urbanen Raum gibt es meist auch ein gut ausgebautes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln, die Voraussetzungen sind andere als in ländlichen Gebieten.

Frau lehnt am E-Auto während es aufgeladen wird und wartet
"Der Sektor der batteriebetriebenen Fahrzeuge ist 2020 von ca. 9.000 auf 16.000 Fahrzeuge angewachsen", weiß Pesau.

„Carsharing und Auto-Abos sind sinnvolle Ergänzungen. Gerade Jugendliche können dank Carsharing gut in die Automobilwelt einsteigen.“

Was halten Sie von Entwicklungen wie Carsharing und Auto-Abos? Werden solche Modelle in Zukunft dominieren?

Sowohl Carsharing als auch Auto-Abos stellen aus unserer Sicht sinnvolle Ergänzungen dar. Carsharing sehen wir gerade für Jugendliche als sehr gutes Angebot, um in die Automobilwelt einzusteigen. Durch das Sharen kann man Modelle fahren, die man sich sonst vielleicht nicht leisten kann. Auch Abos machen Sinn, wenn man kein eigenes Fahrzeug anschaffen will, öfter wechseln und einfach flexibel bleiben möchte.

Elektromobilität liegt zwar in aller Munde, E-Autos haben den großen Durchbruch in Österreich aber noch nicht geschafft. Woran liegt das? Was muss sich ändern?

Man muss sich das schon genau ansehen, der Bereich von rein batteriebetriebenen Fahrzeugen ist von ca. 9.000 auf knapp 16.000 Fahrzeuge 2020 angewachsen, das entspricht einer Steigerung von über 70 Prozent. Das ist in der Neuzulassungsstatistik schon ein Faktor. Das Segment wächst irrsinnig stark und in drei bis vier Jahren sieht die Landschaft auf Österreichs Straßen durch immer neue Modelle, die auf den Markt kommen, ganz anders aus.

„Wer meist in der Stadt unterwegs ist und Ladestationen zur Verfügung hat, ist mit einem E-Auto gut beraten. Die Anzahl batteriebetriebener Fahrzeuge ist in 2020 immerhin um 70 Prozent gestiegen.“

Würden Sie Verbraucher*innen den Kauf eines E-Autos ans Herz legen?

Das kommt auf die Lebenssituation jedes Einzelnen an. Bin ich primär in der Stadt unterwegs und habe ich die Möglichkeit zu laden, etwa am Arbeitsplatz und im Idealfall zusätzlich auch noch daheim, dann ist es sehr sinnvoll, eben, weil Elektroautos stark gefördert werden. Bei Langstrecken ist derzeit ein herkömmlicher Antrieb oder auch ein Plug-in-Hybrid aufgrund der besseren Reichweite besser.

Frau mit Becher in der Hand am Steuer eines selbstfahrendes Autos
Pesau weiß: Bis zum komplett selbstfahrenden Auto ist es noch ein weiter Weg.

Ein großes Thema in modernen Autos sind Assistenzsysteme. Welche Entwicklungen gab es hier zuletzt, was ist heute bei Neuwagen „state of the art“ und wie könnten die nächsten Schritte aussehen?

Autonomes Fahren ist ein Megatrend, der in fünf Stufen klassifiziert wird. Mit dem aktuellen Entwicklungsstand befinden wir uns jetzt zwischen Stufe zwei und drei. Hier hat sich sehr viel getan, von Fahrspurhaltesystemen über Spurwechselsysteme bis hin zu Einparkassistenten. Viele Systeme sind heute teilweise schon serienmäßig in die neuen Fahrzeuge integriert. Die Entwicklung auf diesem Gebiet wird in den nächsten Jahren noch weiter voranschreiten.

Autofahrer*innen können heute bereits mit Notbremsassistenzsystemen, Einparkassistenten, adaptiver Tempomat, Fahrspurhalte- und Spurwechselsysteme bis hin zu interaktiven Head-Up-Displays unterwegs sein.

„Der Weg zum autonomen Fahren vollzieht sich in fünf Stufen. Aktuell stehen wir zwischen Stufe zwei und drei – bis fünf ist es ein weiter Weg. Gerade aufgrund von rechtlichen und ethischen Bedenken.“

Assistenzsysteme gelten als Vorboten der selbstfahrenden Autos. Wann könnte es in Österreich so weit sein, dass diese das Straßenbild dominieren?

Es gibt wie gesagt fünf Levels, wobei Level 5 für vollautonomes Fahren steht. Bis es aber wirklich soweit ist, dass es keinen Fahrer und kein Lenkrad mehr braucht, ist es aber noch ein weiter Weg. Nicht zuletzt deshalb, weil es dabei auch um rechtliche und ethische Aspekte geht. Die technische Entwicklung des Fahrzeugs ist immer weiter fortgeschritten als das, was rechtlich möglich ist.

Das Auto als Statussymbol: Ist das nach wie vor so oder hat diese Einstellung ausgedient? Wie ist Ihre Wahrnehmung?

Die Welt hat sich natürlich verändert und besonders für die Jugend im städtischen Bereich sind heute vielleicht andere Dinge wichtiger, als möglichst früh den Führerschein zu machen und sofort ein Auto zu besitzen. Wir beobachten aber nach wie vor, dass in den einzelnen Segmenten großer Wert auf die Marke oder auf das jeweilige Modell gelegt wird.

Vielen Dank, Christian Pesau!

Über den Arbeitskreis der Automobilimporteure

Der Arbeitskreis vertritt die Interessen der Automobilhersteller und Importeure und beschäftigt sich mit allen Themen, die die Automotive-Landschaft mit sich bringt. Das reicht von Steuern und Verkehr über Umwelt und Innovation bis hin zu diversen Marketing-Aktivitäten. Der Arbeitskreis veranstaltet unter anderem die „Vienna Autoshow“ als größte Messe Österreichs und produziert gemeinsam mit dem ORF das TV-Magazin Autofocus, das mittwochs vor der ZIB 2 ausgestrahlt wird.

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